Gooday Invest – Wallstreet, New York – März 2010, Kapitel 32-Teil II

Fred Weinsteen war Controller bei Gooday Invest.
Dieser Bereich von Gooday beschäftigte sich ausschließlich mit dem Kauf von Firmen. Inzwischen wurden bei Gooday Invest Milliarden Dollar bewegt.
Anders allerdings als die meisten anderen Investmentbanken verkaufte Gooday fast nie ein Unternehmen weiter.

Im Büro von Weinsteen herrschte absolute Stille. Keine Telefone klingelten, keine Merger wurden verhandelt. Es gab keine Broker, welche zwischen einzelnen Telefonen hektisch hin und hersprangen.
Mehrere Monitore zeigten die ständig durchgeführten Unternehmenskäufe an.

Den meisten Personalaufwand betrieb Gooday bei seinen Vertretungsberechtigten, welche ständig im Flugzeug saßen, um überall auf der Welt in Notarterminen Kaufverträge zu unterzeichnen.
Basis für die Käufe waren einerseits der Firmenrank, welcher den Maximalpreisfaktor abhängig vom Unsatz des Unternehmens festlegte und andererseits der Zuschlag bei dem von Gooday eingeführten Firmenauktionsportal.
Gooday gewann immer. Zwar waren die Auktionen für alle zugänglich, aber meist bot Gooday aus Sicht der anderen Firmen für Außenseiter überhöhte Preise.
Natürlich bot offiziell nicht Gooday, sondern einer der zahlreichen von Gooday eingesetzten Vertretungsberechtigten mit einer eigenen Firma für den Zwischenkauf.
In Wirklichkeit hatte Gooday als einziges Unternehmen einen vollständigen Überblick über das Entwicklungspotenzial einzelner Beteiligungen. Dadurch, dass Gooday ein Invest anschließend immer auf den ersten Plätzen im Suchmaschinenranking platzierte, war der Marktzugang sichergestellt. Die automatische Analyse mit Innovationsranking, Anzeige, um wie viele Schritte die Wertschöpfungskette verkürzt werden konnte und der daraus resultierenden Margenerhöhung, sowie Reduzierung von Produktionskosten bei höchsten Stückzahlen durch weltweite Vermarktung, konnte mit allen Kennzahlen auf einer DIN A4 Seite übersichtlich angezeigt werden.
Gooday kaufte immer 49 % der Firmen. 2 % kaufte immer eine weitere Firma, welche mehrheitlich meist im Besitz der öffentlichen Hand war. Die restlichen 49 % blieben beim Besitzer.
Gooday kaufte nur Firmen, welche in ihrem Markt auf Basis der in der Analyse ermittelten Wettbewerbsvorteile das Potenzial hatten, innerhalb von 5 Jahren Marktführer zu werden und innerhalb von 10 Jahren allen Wettbewerb bis auf Nischenanbieter lahm legen konnten.
Das Bieten erfolgte durch einen digitalen Agenten, welcher weltweit bis zu 1000 Auktionen gleichzeitig im Blick halten konnte und innerhalb von Sekundenbruchteilen Gebote erhöhte, bis die hinterlegte Maximalgebotssumme von Gooday erreicht war.

Fred Weinsteen hatte mit seinem nur 5-köpfigen Team die Aufgabe, ungewöhnliche Vorgänge zu analysieren. Ungewöhnlich war, wenn ein Unternehmen sich nicht den Erwartungen gemäß entwickelte, ungewöhnlich war jedoch auch, wenn Kennzahlen von Unternehmen von der Norm abwichen.

Gerade blinkte eine Warnmeldung auf.

Die folgende Analyse der Firma Human International Ltd. erschien auf dem Bildschirm:

Automatische Warnung : Keine Gewinne!

IP-Adresse 123.333.444.56
99 % Zuordnung zu Human International Ltd.
Firmensitz Liechtenstein
Kostenentwicklung
2008 150 Mio $
2009 250 Mio $
Umsätze
2008 <1 Mio $
2009 <1 Mio $

Pagerank 6.543

Keywords nach Häufigkeit Gesundheitsberatung, Medizinische Beratung, Viren, Katastrophenschutz

Innovationsrank 0 (keine eigenen Innovationen erkennbar)

Personenrank 123456789 (hier wurden also alle möglichen Zielgruppen vom einfachen Arbeiter bis zum promovierten Akademiker in über 100 Ländern erreicht)

Kriminalitätsrank 0/6 (der erste Wert sagte aus, in wie weit vom Geschäftszweck Kriminalität erzeugt werden konnte, der zweite ob das Unternehmen von Dritten zu kriminellen Handlungen benutzt werden konnte)

Fred Weinsteen schüttelte den Kopf.
Die Zahlen passten einfach nicht zusammen. Aber so sehr er sich auch durch zusätzliche Analysen bemühte, er konnte kein gewinnbringendes Geschäftsmodell erkennen.

Noch einige Tage spukte diese Analyse in seinem Kopf herum. Doch es war nicht sein Job, Leute vor unsinnigen Geldausgaben zu schützen, auch wenn diese sich einer halben Milliarde Dollar näherten.
Er schrieb eine kurze Meldung an die Adwords-Redaktion:
„Aktionen dieser Firma im Auge behalten.
Unregelmäßigkeiten wurden nicht festgestellt.“
Die Chef vom Dienst der Adwordsredaktion deutete diese Notiz so, dass Gooday am Kauf von Human International Ltd. interessiert sei. Schließlich bekam er sehr selten E-Mails vom Leiter der Investabteilung.
Die Adwords-Redaktion erhielt daraufhin vom C.v.D. strikte Anweisung, Domains, welche auf Human International Ltd. angemeldet waren, auf keinen Fall abzuranken.

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