No-Sexismus made by Social Media ?

Die aktuelle weltweite Debatte über Sexismus zeigt, wie Social Media zu globaler Meinungsbildung führt.

In Indien angestoßen ist die Debatte in Deutschland angekommen und schwappt gerade in die USA.


Hurra, jetzt gibt es virtuelle kopien von mir im Internet!

Männer und Frauen tragen Urinstinkte in sich, welche zur Fortpflanzung führen sollten.
Diese wurden durch gesellschaftliche Normen und durch die Verkopfung vieler Menschen zurückgedrängt, aber sind immer noch da.
Dem homo politicus kommen Urinstinkte in Form von aggressivem Angriffsverhalten zu Gute. Ein ausgeprägtes Balzverhalten ist vorteilhaft, um Wählerstimmen zu sammeln.

Eigentlich ist also die „Affäre“ Brüderle gar nichts so Ungewöhnliches.

Die Situation der Frauen mit täglichen körperlichen Übergriffen in Indien ist in keiner Weise vergleichbar mit der Situation deutscher Frauen. Brüderle wäre in Indien nicht einmal eine Randnotiz wert.
Social Media Wellen sind nicht vorhersehbar. Sie entstehen eher zufällig. Ihre Höhe hängt davon ab, wie viele Einzelne durch Unterstützung dieser Wellen ihre eigenen Interessen wahrnehmen können. Social Media Wellen entwickeln sich immer öfter global. Es entsteht so etwas wie eine weltweite Schwarmintelligenz, welche zu Veränderungen der Gesellschaften führt.

Auf den ersten Blick scheinen Social Media Wellen zu einer Demokratisierung der Welt zu führen. Aber das stimmt so nicht. Demokratie lebt davon, dass Entscheidungen in langwierigen Entscheidungsprozessen als ausgehandelte Kompromisse entstehen. Durch Social Media Wellen werden die Entscheider immer häufiger gezwungen, sich dem Diktat der vermeintlichen Masse zu beugen und sich ihren Prioritäten und Entscheidungen anzupassen.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass Social Media bisher nur wenig differenziert. Wer nur Follower wird, ohne eine eigene Meinung zu äußern oder einfach nur den „Gefällt mir Button“ drückt, der kann nichts falsch machen und muss sich eigentlich auch keine Meinung bilden.
Im Ergebnis wird Brüderle mit den Vergewaltigern in Indien auf eine Stufe gestellt.
Ein immer größerer Anteil der Teilnehmer an der Welle schwimmt nur mit, um nicht gegen die Welle zu schwimmen und hat eigentlich keine Meinung.

Umso leichter können die, welche noch eine Meinung haben und sogar bereit sind, diese zu äußern, selbst zufällig oder von Dritten beabsichtigt, in den Mittelpunkt eines Shitstorms geraten.

Wenn wir es nicht schaffen, ein Trusted Internet zu entwickeln, welches die Qualität der Meinungsäußerung unterstützt, anstatt sie niederzumachen, dann wird sehr schnell ein Entdemokratisierungsprozess eingeleitet, weil keiner sich mehr traut, seine eigene Meinung zu äußern.

Selbst in einer Diktatur gibt es Regeln. Wenn die Macht eines unstrukturierten Internets Regierungen ersetzt, fallen die über viele Jahre mühsam erarbeiteten Sicherheiten der Bürger weg und der Überlebenskampf wird umso härter werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert