Erzieht das Internet zum Cyberkriminellen?

Der besorgte Vater Herr M. hat mir folgende Geschichte geschrieben:
Sein 11 jähriger Sohn hat sich aus dem Internet das kostenlose Spiel „alaplaya“ heruntergeladen. Zu diesem kostenlosen Spiel gibt es kostenpflichtige Erweiterungen.
Waren früher Markenschuhe Statussymbole, sind es heute Spielerweiterungen.

Nicht ungewöhnlich ist jedoch, dass Eltern – wie auch im geschilderten Fall – nicht einsehen, durch den Kauf von Erweiterungen die Spielsucht des Kindes noch zu verstärken.

Erstaunt fand Herr M. auf seiner Mobilfunk-Rechnung zwei Abbuchungen für 9,90 Euro mit dem Vermerk „alaplaya“.
Von seiner Mobilfunk -Hotline wurde ihm die Telefonnummer des Anbieters mitgeteilt, der die Rechnung gestellt hatte. Hinter der Nummer verbarg sich ein Sprachautomat, der lediglich ermöglichte, nach Eingabe der eigenen Handynummer einen Service abzubestellen. Die Möglichkeit, sich über die abgebuchten Beträge zu beschweren gab es nicht.
Nach erneutem Insistieren von Herrn M. teilte der Mobilfunkprovider eine E-Mail Adresse des Anbieters mit.

Es kam folgende Antwortmail:
„Kurz zur Information wer wir sind und was wir tun:
Wir sind ein Onlinespielevertrieb der die Projekte alaplaya.eu und florensia.eu betreibt.
Beides Spiele in denen man sich eine Art virtuelle Währung kauft, mit dieser Währung kann man dann im Spiel Gegenstände kaufen.
Es handelt sich also nicht um ein ABO Modell sondern wie vom Burda Wireless Support erwähnt um Einmalzahlungen.
Das Geld dass von Ihrem Mobiltelefon aufgeladen wurde wurde bei uns im Spiel „S4 League“ genutzt.

Handyzahlungen funktionieren bei uns wie folgt:
-Der Kunde gibt die Handynummer bei uns auf der Seite ein
-Eine SMS wird auf dieses Handy verschickt mit einem PIN Code
-Der Kunde muss diesen PIN Code bei uns auf der Seite eingeben
-Erst jetzt wird das Mobiltelefon belastet

Laut diesem Prozess muss also bei jeder Zahlung Zugang zu Ihrem Handy bestanden haben um den PIN Code einzusehen.

Hoffe diese Informationen helfen Ihnen denjenigen zu finden der Ihr Handy zur Zahlung genutzt hat.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen natürlich jederzeit, auch telefonisch, zur Verfügung.“

Zwischenzeitlich hatte Herr M. mehrfach mit seinem Sohn geredet, der heftigst bestritt, Zusatzerweiterungen gekauft zu haben. Schließlich gab er zu, abends wären Herr M. einen Spielfilm sah, die Transaktionen über das väterliche Handy durchgeführt zu haben.
Rechtlich war also alles in Ordnung!? Eine Bestellung wurde aufgegeben, eine Lieferung erfolgte und Herr M. hatte keine Möglichkeit zu beweisen, dass sein minderjähriger Sohn dieses somit ungültige Rechtsgeschäft geschlossen hatte.

Viel wichtiger als der rechtliche Aspekt ist jedoch die Auswirkung solcher Geschäftsmodelle auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Anbieter werden zu Bezahlmodellen durch die Hintertür gezwungen, weil beim User allgemein die Erwartungshaltung herrscht, dass im Internet alles kostenlos ist.

Fatale Auswirkungen haben solche Geschäftsmodelle auf das Wertesystem, welches unseren Kindern vermittelt wird. Wenn ein Jugendlicher (fast) alles kostenlos aus dem Internet herunterladen kann, wie soll er dann verstehen, dass es Diebstahl – wenn auch nur in der eigenen Familie – ist, wenn man sich über das väterliche Handy einen PIN herunter lädt.
Einen kleine Schritt weiter werden dann fremde Handys zum Bezahlen benutzt.
Durch solche Geschäftsmodelle geht der Generation der Digital Natives jegliches Verständnis für Urheberrechte und Recht verloren.

Qualität kostet ihren Preis. Qualität gibt es in Zukunft nicht mehr, wenn alles umsonst sein soll.

Wir brauchen wieder klare und transparente Geschäftsmodelle gerade im Internet.

Olaf Berberich

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