Frohe Weihnachten und Mut zur Selbstbestimmung im Jahr 2014

Liebe Leser,

gestern gab es die letzte Leseprobe zu meinem Manuskript 6/11.

Zu Weihnachten möchte ich Ihnen einen neuen Punkt in ihrer Prioritätenliste schenken.
Sie sind mit diesem Jahr zufrieden? Die Wirtschaft hat gebrummt. So soll es auch bleiben.

Am Rande haben Sie von diesem Snowden und diesem Abhörskandal gehört, genau so wie von Überschwemmungen und Stürmen. Sie betraf das nicht, weil Sie in einem Haus mit starken Mauern und einem guten Dach leben.
Und sollte es doch einmal hereinregnen, gibt es Handwerker, die es richten und eine Versicherung, die es bezahlt.
Sie sind kein Statiker und doch wissen Sie genau, wie ein Haus aussehen muss, das Sie vor Sturm und Regen beschützt.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen mitten auf einer Wiese im Regen. Sie können sich nicht vorstellen, was ein Haus ist. Permanent kommen Leute zu Ihnen und sagen Ihnen, Sie sollen das eine oder andere tun. Sie trauen diesen Leuten nicht, denn andere Leute haben Ihnen gesagt, diese Leute wollen nur Ihr Geld haben.
Da werden Sie doch lieber nass und riskieren eine Grippe.

Mit der derzeitigen Situation durch Abhören und Onlinemanipulationen verhält es sich genau so. Nur, Sie holen sich keine Grippe, sondern eine schlimme Genkrankheit, die Sie an Generationen Ihrer Nachfahren vererben werden.

Ihr Land hat bereits einen Krieg verloren, ohne überhaupt gemerkt zu haben, dass es ihn gegeben hat. So wie jedes Land in der Geschichte, dessen komplette Kommunikation abgehört wird, ist Ihr Land besetzt.
Es hilft nur noch der organisierte Widerstand. Hierfür braucht man Mut und Verständnis.

Mut ist bei uns derzeit Mangelware. Ausgerechnet aus den USA müssen wir uns von einem Bundesrichter zeigen lassen, wie Mut funktioniert, siehe http://www.infranken.de/ueberregional/NSA-Datensammelwut-war-gegen-US-Verfassung;art55462,595244 .

Ich vertraue auf Ihren Mut, wenn das Verständnis da ist.
Viel zu wenig wird aus meiner Sicht derzeit getan, damit Sie als Laie verstehen, welche Wände und welches Dach Sie brauchen, um sich vor den Bedrohungen des Internets zu schützen.

Ich verstehe, dass Sie hierzu Ihre wenige Freizeit opfern müssen. Aus diesem Grund biete ich Ihnen kein Fachbuch zu diesem Thema an, sondern spannende Unterhaltung.

‚7/11 Insiderstory des Wandels in Deutschland von 1999 bis 2015’ gibt es als redigierte Hardcover-Zweitauflage im Frühjahr im Buchhandel. Hier erhalten Sie in einer fiktiver Story nur einen Schmetterlingsschlag von unserer Realität entfernt die Grundlagen dafür, um sich mit konkurierenden Internetentwicklungen kritisch auseinander setzen zu können.

‚6/11 Global Spy Pact Quadrilla X 2013 bis 2020’ gibt Ihnen einen Überblick, was es für Sie und Ihre Kinder, für Ihre Selbstbestimmung, aber auch für Ihr Vermögen und jegliche Berechenbarkeit Ihrer Zukunft bedeutet, wenn Sie nicht als Konsument das Bedürfnis definieren, wie Ihr sicheres Haus in der Onlinewelt aussehen muss.

‚Bis März 2014 schreibe ich ‚5/11 Der globale WEB-Widerstand’. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, eine sichere Onlinewelt zu bauen. Die Onlinehäuser können so gebaut werden, dass Sie bewerten und kontrollieren können, ob die Wände dick genug gegen den Sturm und das Dach dicht gegen den Regen ist.

Auch diese Bücher werden noch in 2014 erscheinen. Ich schreibe derzeit so schnell, dass ich die Verlage massiv unter Zeitdruck setze, mit der Erstellung und Markteinführung der Manuskripte in Form von professionellen Büchern nachzukommen.

Ich verstehe mich nicht nur als Autor, sondern bewerbe mich als ernsthafter Ideengeber mit meinen Patentanmeldungen beim Deutschen IT-Sicherheitspreis 2014.

2014 wird das Schicksalsjahr unserer Demokratie und Verfassungsrechte. Wir können nach Snowden nicht mehr sagen, dass wir keine Krankheit bekommen, wenn wir im Online-Regen bleiben.
Nach meinen Büchern können Sie nicht mehr sagen, dass die Dinge zu komplex und global sind, um etwas zu ändern. Die globalisierte Wirschaft und die global gebundenen Politikern werden Ihnen keine sicheren Onlinehäuser bauen. Nur wenn Sie als Konsument Ihrer TO-DO-Liste für das neue Jahr ‚Verständnis eines Trusted WEB 4.0’ als Priorität hinzufügen, sind Sie für die Zukunft gerüstet.

Ihr Olaf Berberich

Was bringt ein No-Spy-Abkommen? Auf jeden einzelnen kommt es an!

Nach dem Monate lang die Politik den Abhörskandal nicht zur Kenntnis nehmen wollte, überschlägt man sich jetzt, selbst betroffen, ein No-Spy-Abkommen zu beschließen, siehe auch http://www.faz.net/aktuell/politik/berlin-und-washington-einig-no-spy-abkommen-kommt-bald-12645481.html.

Doch was wird es bringen?
Vielleicht wird erreicht, dass die, die per Gesetz durch Immunität vor der Strafverfolgung geschützt sind, auch nicht mehr abgehört werden.
für den Bereich Wirtschaftsspionage jedoch ändert das nichts. Selbst wenn es gelingt, die Dienste an die Leine zu legen, so werden keine vorhandenen Daten gelöscht, kein Datensammeln reduziert werden.

Hurra, jetzt gibt es virtuelle kopien von mir im Internet!

Wahrscheinlich wird alles nur noch schlimmer. Das Abhören wird privatisiert werden. Wenn etwas herauskommt, ist die Regierung nicht mehr kompromittiert.
Gleichzeitig werden hierdurch unsere Daten noch leichter in die falschen Hände kommen.

Was ist also die Alternative? Die einzige Möglichkeit, sich zu schützen ist, als Unternehmer und Konsument, sein Bedürfnis nach Schutz zu äußern.

Die einen wollen sich die Existenz bedrohenden Probleme nicht eingestehen, die anderen betrifft es ja nicht, oder doch?

Als Voraussetzung für ein Trusted WEB 4.0 muss jeder verstehen, was es ganz konkret für jeden einzelnen bedeutet, wenn das so weitergeht.
Die Angst im Bauch, was passiert, wenn man nichts tut, muss größer sein, als die Angst, etwas zu tun.

Hierfür habe ich mein neues Buch geschrieben.
„6/11 – Global Spy Pact Quadrilla X“ heißt es.

Ab dem 18.11.2013 werde ich jeden Tag einen Auszug aus einem Artikel veröffentlichen.
Einen Ausdruck des nicht lektorierten und nicht gestalterisch bearbeiteten Manuskripts können Sie aus Gründen der Aktualität dann bei mir erwerben.

Bücher brauchen lange, bis sie am Markt erscheinen. So kommt mein 2007 im Selbstverlag erschienenes -auch auf diesem Blog veröffentlichtes- Buch 7/11 im Frühjahr 2014 in einer lektorierten Neuauflage in den Buchhandel. Herausgegeben wird es vom Persimplex Verlag.

Die Buchprämiere von 6/11 ist ebenfalls für 2014 geplant.

Übrigens habe ich gerade wieder ein Patent angemeldet, diesmal zur dezentralen Datenverschickung.
Die Idee der Telekom, nur noch Daten über deutsche Server zu schicken, ist gut gemeint, ändert aber in einer internationalen Cloud nichts.
Auch weiß niemand, wer da alles bei den deutschen Knoten so mithört.
Jeder einzelne muss sehen können, welchen Weg seine Daten gehen und sich dann zwischen verschiedenen Wegen entscheiden.

Olaf Berberich

Für die IT-Sicherheitsindustrie beginnt nach Snowden eine neue Area

In meinem Sommerurlaub auf einem Boot in den Masuren erreichten mich weiterhin die täglichen RSS-Feeds.
Wenn man mit großem Abstand zur täglichen Arbeit die aktuellen Feeds liest, dann kommt man leicht auf die Idee, die hier geschilderte Realität mit der Fiktion eines Buches zu verwechseln. Zu absurd erscheint das Ganze.
Was die einen aufdecken, leugnen die anderen. Doch maximal die Symptome werden besprochen, nicht die Krankheit selbst. Die Krankheit heißt „völliger Vertrauensverlust und Orientierungslosigkeit“ für jeden von uns, aber auch gerade bei denen, die es eigentlich richten sollten. Die Krankheit frisst unsere Gesellschaft mit ihren demokratischen Errungenschaften auf und es scheint kein Medikament dagegen zu geben.

Kundengewinnung, Kommunikation, Vertrauen, SEO, Synergien!

Die IT-Sicherheitsindustrie hat viele Jahre gut von den Sicherheitsproblemen profitiert, die andere geschaffen haben und die Nutzer Glauben gemacht, dass ihre Technologie den Nutzer schützt.

Heute steht fest, dass Länder übergreifend Verwaltungen sich verselbständigt haben und unrechtmäßig auf Sicherheitsunternehmen Einfluss genommen haben. Die Politiker sind machtlos und hoffen die Probleme auszusitzen, siehe auch http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/cyber-angriffe-so-gefaehrdet-die-nsa-die-internet-sicherheit-a-919759.html.

Ich habe mich im Urlaub beobachtet und selbst ich, der ich mich sehr intensiv mit diesen Themen beschäftige, musste eine Reizüberflutung bei mir feststellen. Schon wieder NSA. Schon wieder Snowden und, und, und. Das Aussitzen wird funktionieren. Irgendwann kann niemand mehr hören, was spätestens dann alle glauben zu wissen: „Es gibt keine sicheren Systeme und ich kann überall abgehört werden“.

Wenn wir unser Justizsystem sehen, dann werden Sachdelikte heute oft härter bestraft, als Personendelikte. Unser Eigentum scheint uns also wichtiger zu sein, als Menschen.
Das scheint jedoch nicht für unser geistiges Eigentum zu gelten. Wir sind stolz darauf – noch – Innovationsweltmeister zu sein. Aber wie lange werden wir von der Wertschöpfung unserer Innovationen profitieren, wenn alle Ideen bereits im frühen Entwicklungsstadium öffentlich zugänglich sind?

Es geht nicht um technische Sicherheits-Lösungen, welche man von einem bestimmten Anbieter kaufen könnte, sondern es geht darum, wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten zu entwirren und die Wertschöpfung so neu zu ordnen, dass klar die Sicherheits-Interessen von Unternehmen und Konsumenten bestimmt und für diese erfüllt werden können.

Konsumenten und Unternehmen werden künftig in IT-Sicherheitsthemen immer konservativer und das bedeutet in Konsequenz, dass sie ihre Etats für unnütze Sicherheitsprodukte reduzieren und keiner Versprechung mehr glauben.

Folgende Forderungen liegen für mich nahe:

• IT-Sicherheitsunternehmen, welche als Referenzen Behörden angeben, sind nicht geeignet, Lösungen für Unternehmen und Konsumenten anzubieten. Zumindest müssen diese Bereiche in einzelne unabhängige Profit-Center ausgelagert werden. So wundert sich der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. warum Verschlüsselungsalgorithmen benutzt werden, welche die NSA entschlüsseln kann und nicht z.B. ‚AES 256 Bit‘, das als nicht knackbar gilt.
• Die Entscheidungshoheit über den entsprechenden öffentlichen IT-Prozess muss in die Hand der Konsumenten gelegt werden. Damit sind alle Bereiche des Internets gemeint. Hierzu muss es einen Etat geben, welcher direkt vom Konsumenten beeinflusst werde kann.

Würde jeder monatlich über Eintausendstel des BIP (welches in seine Land je Kopf erwirtschaftet wird) für die Verwendung in eine Trusted IT-Infrastruktur entscheiden können, so hätte hierdurch eine IT-Industrie mit strengen überprüfbaren Selbstverpflichtungen die Möglichkeit, ein wirklich sicheres Internet aufzubauen. Alle Bereiche von Mail über Surfen bis zum Telefon könnten sicher werden.

Der Etat könnte z.B. durch die Krankenkassen bereit gestellt werden. Denn würde man die Auswirkungen der Aufgabe der Eigenbestimmung, das Gefühl des Ausgeliefertseins etc. auf das Wohlbefinden von Patienten übertragen, so würde man signifikante Zusammenhänge zwischen den stark zunehmenden Burnouts und Depressionserkrankungen mit erheblichen Kostensteigerungen und der sich getrieben durch die Onlineentwicklung immer schneller entmenschlichenden Gesellschaft feststellen. Diese vermeidbaren Gesundheitskosten könnten gegen die präventiven Infrastrukturkosten aufgerechnet werden.

Um diesem komplexen Thema gerecht zu werden, habe ich mich entschlossen, ein weiteres Buch mit dem Arbeitstitel „6/11 – Insiderstory über die Weltsteuerungs-Quadrilla 2013-2020“ zu schreiben, in der Hoffnung, dass jeder versteht, welche Konsequenzen es für jeden einzelnen hat, wenn wir jetzt nicht um einen Etat zur Selbstbestimmung unserer IT-Infratruktur kämpfen. Ich möchte konkret aufzuzeigen, wie technisch und betriebswirtschaftlich weltweit Möglichkeiten geschaffen werden könnten, geistiges Eigentum zu schützen.

Olaf Berberich

Die Lektion – Florida, Missouri River – Juli 2015, Kapitel 48, Teil II

Draußen sind es 48 Grad im Schatten. Die alte Klimaanlage rattert laut. Ich blicke auf den kitschigen Wandkalender.
Natürlich kenne ich das heutige Datum genau.
Wir schreiben den 11. Juli 2015.
Niemand auf der Welt würde jemals den 11. Juli wieder vergessen, der heute weltweit als Feiertag gilt.

Für zwei Monate bin ich in den USA als Berater tätig. Ich habe mir ein altes Hausboot gemietet. Das Wasser brauche ich auch heute noch. Obwohl wir uns täglich R-Faxe mit Videoanhang schicken, fehlt mir Brigitte sehr. Es ist schon sehr prägend, wenn man lange Zeit immer zusammen gewesen ist.

Heute sitze ich an den letzten Seiten meines Buches und frage mich, wie so viele Male vorher, ob es richtig war, dass ich dem Drängen nachgegeben habe, dieses Buch zu schreiben.
Ist ein weiteres Buch zum Thema 7/11 wirklich notwendig?
Zahlreiche Bücher sind inzwischen erschienen, welche aus der Betroffenheit einzelner Personen heraus schildern, wie nur eine Woche Chaos in über 100 Ländern das Gesicht der Welt veränderte.

Von mir erwartet man nun eine neutrale Sichtweise auf die Dinge. Immerhin bin ich einer, der von der ersten Stunde an eingebunden war, ohne persönlich von den Ereignissen betroffen zu sein.
Man hat mir sogar Einblick in die bisher streng geheimen Gesprächsprotokolle der Krisenstäbe gegeben. Bis heute bin ich in die Entscheidungen von FINDERS eingebunden. Bei FINDERS bin ich inzwischen eines der wenigen Urgesteine, einer der den Kontakt zur Basis nicht verloren hat.

Ich lege größten Wert darauf, in diesem Buch nur Fakten aufzuschreiben, welche mir persönlich bekannt geworden oder in offiziellen Protokollen nachzulesen sind. Inzwischen sind auch die meisten Verhörprotokolle der mehrjährigen staatlichen Untersuchung öffentlich.

Lediglich das letzte Kapitel über die Langeweile habe ich frei erfunden. Ich fand einen irren Hippie zur Situation viel passender, als mögliche politische Hintergründe.

Bis heute sind wohl über 500 Bücher erschienen, welche meist als reißerische Katastrophengeschichten Einzelschicksale von 7/11 beleuchten und für die nächsten 10 Jahre ausreichend Stoff für Filme bieten.

Sicher wird eines Tages noch ein Buch erscheinen, was passiert wäre, wenn es FINDERS nicht gegeben hätte. Für mich ist ein solches Katastrophen-Szenario unverstellbar. Heute ist FINDERS längst ein international tätiger Konzern. Nur wenige erinnern sich daran, dass die Erfolgsstory von FINDERS den mutigen Entscheidungen einiger Weniger zu verdanken ist. Gerade den heimlichen Helden wie Christian Wolff, der heute in Vergessenheit geraten ist, widme ich dieses Buch. Dies war mit ein Grund, warum ich mich für ein eigenes Buch entschieden habe.

Ich habe eine eigene Sichtweise auf die Dinge. Die Sichtweise eines Außenstehenden – schließlich hatten Frankreich und Deutschland nach einer kurzen Finanzkrise ein Wirtschaftswunder als Exportland für die englischsprachigen Ländern geschaffen – habe ich in den mir bekannten Büchern nicht gefunden.

Ich habe meine Erfahrungen in der Schnittstelle zwischen Mensch, Gesellschaft und Technik in dieses Buch mit eingebracht. In der zunehmenden Globalisierung stehen Regierungen einzelner Länder unter ständig wachsendem Rechtfertigungsdruck. Die Ereignisse der letzten Jahre zeigen eindeutig, was passiert, wenn Regierungen nur auf technische Entwicklungen reagieren, anstatt selbst verantwortlich gerade in den innovativen Bereichen mit funktionierenden gesellschaftlichen Konzepten die Zukunft zu gestalten. Immer mehr stehen Regierungen im Zwiespalt, ihren Bürgern einerseits funktionierende Strukturen und andererseits möglichst große Freiheiten zur individuellen Entfaltung anbieten zu müssen.
Vertrauen ist das wichtigste Gut unserer Gesellschaft. Vertrauen wurde über Jahrhunderte als kollektives Bewusstsein aufgebaut. Ist dieses Vertrauen zerstört, fallen wir in unserer gesellschaftlichen Entwicklung weit zurück.

Für die Menschen, die mein Buch zu einer Zeit lesen werden, wo Einzelheiten in Vergessenheit geraten sind, hier eine Kurzzusammenfassung der Ereignisse nach 7/11:

Die Kommunikationsleitungen waren bereits am 13. 7. 2011 wieder weitgehend funktionsfähig. Doch die Menschen hatten inzwischen andere Probleme, als zu telefonieren oder am Computer zu sitzen.

Längst war die Krise real. Kaufhäuser und Apotheken waren geplündert worden.
Die Häfen konnten keine Waren mehr aufnehmen, weil die Lagerarbeiter nicht zur Arbeit erschienen. Lebensmittel vergammelten an Bord der Schiffe.
Viele Fabriken hatten aufgehört zu produzieren, weil sie weder durch die Zulieferbetriebe Nachschub erhielten, noch in der Lage waren, auszuliefern.
Schnell entstand ein Schwarzmarkt, in dem man wie im zweiten Weltkrieg in Deutschland sich nun in den USA durch Tauschhandel über Wasser hielt.
Ausländer verließen panisch die USA. Um ein komplettes Zusammenbrechen des Flugverkehrs zu verhindern, wurden Auslandsflüge bis auf Weiteres eingestellt.
Und die Börse?….. Bis heute gilt ein ungeschriebenes Gesetz unter allen Journalisten weltweit: „Nie die Gesamtschadenssumme nennen!“

Nach wenigen Tagen merkten die Menschen, dass niemand an Vogelgrippe starb.
Weil die Regierung hierüber nicht aufgeklärt hatte, verloren manche Menschen völlig den Bezug zur Realität und jegliches Vertrauen zur Gesellschaft. Sie konnten keinem Beruf mehr nachgehen, weil sie alles hinterfragten und völlig unfähig waren, Entscheidungen zu treffen.
Dem Internet traute keiner mehr.

Gooday wurde wegen seiner immer ausgefeilteren Filtersoftware besonders in China und den noch immer vorhandenen Diktaturen Afrikas erfolgreich und konnte so den in den USA zusammenbrechenden Werbemarkt leidlich kompensieren. Frisches Geld sammelte Gooday nicht mehr ein. Ungerechter Weise wurde auch das Onlinebankkonzept abgestraft, obwohl es doch hervorragend funktioniert hatte.
Die meisten Geldgeber entzogen dem Zinssteigerungsportal das Geld. Dies war innerhalb von wenigen Tagen möglich.
Ob die hohe Zahl der Insolvenzen auf die nicht mehr bezahlbaren Kredite oder den Zusammenbruch jeglicher Infrastruktur zurückzuführen war, konnte später nicht mehr ermittelt werden.
Gleichzeitig mit Gooday siedelten über 1000 Unternehmen nach Asien um. Erst viel später wurde bekannt, dass den USA durch den Know How Verlust über 10.000 patentierte Innovationen verloren gingen – viele davon ursprünglich in Europa angemeldet. An all diesen Unternehmen war Gooday beteiligt.
Im Januar 2013 riefen die geschädigten englischsprachigen Länder das FINDERS-Konsortium um Hilfe an. Hier rechnete man sich aus, dass man in der gewünschten Geschwindigkeit nur expandieren konnte, wenn man jedem Land die Möglichkeit gab, in Lizenz die von FINDERS eingesetzten Technologien auf die Landessprache anzupassen. Die Bedingungen von FINDERS waren akzeptabel.
Zusätzlich zur Zahlung einer an die hohe Wertigkeit der Technologie angepassten Lizenzgebühr musste sich jedes Land verpflichten, die gleichen Kategorien einzuführen. Die Semantikredaktion blieb weiterhin zentral in Deutschland. Außerdem wurde die Einhaltung der FINDERS-Grundsätze „Wer? Wert? Wahr?“ von unabhängigen Landeskommissionen ständig überwacht.
Trotz Einführung der Achtcard nahm die Benutzung des Internets nur schleppend wieder zu. FINDERS war froh, nicht selbst in den USA vertreten zu sein, denn online würde lange Jahre kaum Geschäft mehr gemacht werden können. Den Lizenzeinnahmen standen zumindest keine Ausgaben gegenüber.
Onlineregistrierungen ohne Achtcard waren fast gänzlich eingestellt worden. Hier waren die Erinnerungen an den Berechtigungszettel für das Antivirusmedikament noch allzu wach. Bereits Mai 2013 führten alle Regierungsbehörden weltweit die Achtcard für die Kommunikation untereinander ein.
Jeder, der es sich leisten konnte, kaufte ein Achtcard-Gerät und benutzte nur noch das Trusted Internet.

Der weltweit führende Mobilfunkanbieter Vodafone hatte seine im Laufe der Zeit gewachsenen guten Kontakte zum FINDERS-Konsortium genutzt, um ein eigenes Betriebssystem auf Basis der Kategorien zu entwickeln. Das Handy hat inzwischen als zentrale Bedieneinheit für fast alle digitalen Aktionen Einzug gehalten.

Die Verursacher der Krise hat man bis heute nicht gefunden. Nach der Krise war kein Verantwortlicher von Human International auffindbar.
Den Onlineredakteuren konnte keinerlei Verschulden nachgewiesen werden. Ryman, wie viele andere auch, konnte glaubhaft nachweisen, dass er im guten Glauben gehandelt hatten.

Ach, fast hätte ich es vergessen!
Im Oktober 2013 zog FINDERS mit dem Hauptsitz nach Berlin um. Trotz größter Anstrengungen war es Friedrichshafen nicht möglich, genügend Platz für die schnelle Expansion des Konzerns zu bieten. Besonders der Flughafen war dem Ansturm der vielen ausländischen Besucher nicht mehr gewachsen.
Man fand eine Lösung mit hohem Symbolcharakter. FINDERS erwarb den alten Flughafen Tempelhof. Unter strengsten Umweltauflagen durften flüsterleise kleine Passagiermaschinen wieder landen. Eine schnelle U-Bahn Verbindung nach Schönefeld wurde ebenfalls eingerichtet.

Endlich war es Deutschland möglich, sich bei Amerika zu bedanken.
Danke für die Rosinenbomber. Jetzt sind wir dran.

Langeweile -irgendwo in Kalifornien – einige Wochen später, Kapitel 47, Teil II

In einem Mietwagen fuhr Frank Miller auf einer endlos geraden Straße. Er hatte einen südländischen Teint. Zu dem makellos sitzenden weißen Anzug trug er einen weißen Hut. Ein rosa Einstecktuch schmückte seine Brusttasche.

Nur durch einen Meilenstein gekennzeichnet, bog eine kleine Straße rechts ab. Miller fuhr diesen Weg nicht zum ersten Mal. Er war sich jedoch sicher, dass es das letzte Mal sein würde.
Er hatte sich im französischsprachigen Bereich Kanadas in der Nähe von Québec ein Domizil für seinen Lebensabend eingerichtet.

In der Ferne tauchte eine Farm auf. Das Tor war ungewöhnlich gut gesichert und mit Kameras ausgestattet.
Nachdem er seinen Kopf aus dem Fenster gestreckt hatte, öffnete sich das Tor automatisch mit lautem Quietschen.
Er durchfuhr eine große Parkanlage. In den letzten Jahren hatte man der Natur freien Lauf gelassen. Aus dem ursprünglich aufwändig angelegten Park war eine interessante Mischung aus Wildwuchs und Gestaltung mit Springbrunnen, Steingärten und Skulpturen entstanden.
Er hielt vor dem großen Haus.
Die Haustür öffnete sich automatisch. Im Inneren erwartete ihn alles, was Ende der 90er Jahre für viel Geld zu haben war. Die Wände schmückten Plasmabildschirme mit wechselnden Bildmotiven. Das Licht ging automatisch an, sobald er einen Raum betrat.
Ein automatischer Staubsauger sauste wie ein Ufo über den Boden. Ein Fremder hätte sich in den verschiedenen Zimmern verlaufen. Miller war kein Fremder mehr. Zu oft war er in den letzten Jahren an diesem Ort gewesen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.
Miller betrat ein mindestens 300 qm großes Wohnzimmer.
Das Zimmer wurde von einer gigantischen Sitzlandschaft dominiert und gab den Blick zu einem großen Pool frei.
Als einziger saß in einer Ecke ein langhaariger Hippie.
Außenstehende hätten ihn für einen Einbrecher gehalten. Er hatte ein äußerst ungepflegtes Äußeres. Seine Haltung und die ihn umgebenden Flaschen ließen keinen Zweifel daran, dass er heftig dem Alkohol zugesprochen hatte.
Miller zeigte sich hierdurch in keiner Weise beeindruckt, obwohl ihm diese Szene neu war.
„Tolles Outfit. Perücke?“, fragte Miller, wie von ihm erwartet.
„Nee, angeschweißt. Für so einen Retrolook muss man schon was tun“, gab das Gegenüber mit echten glasigen Augen zurück.
„Ich bin gekommen, um unser Vorhaben abzuschließen“, kam Miller zur Sache. Er wollte seinen Aufenthalt so kurz wie möglich halten.
Vorhaben, das war der offizielle Sprachgebrauch zwischen ihnen gewesen. Beide wussten, dass dieser Begriff in keiner Weise der historischen Tragweite des Geschehenen gerecht wurde.
„Da liegt der Koffer mit dem restlichen Geld“, lallte der Hippie. Nichts deutete darauf hin, dass er einmal einer der einflussreichsten Männer der Computerbranche gewesen war.
Miller nahm den Koffer und wandte sich zum Gehen. Ein Abschiedsgruß wurde von ihm nicht erwartet.
Doch dann blieb er stehen: „Eine Frage hätte ich noch?“
„Was ne?.“
„Warum haben Sie das Vorhaben gestartet? Wenn ich das richtig sehe, haben Sie doch einige Millionen verloren, obwohl wir alle Medikamente verkauft haben.“
„Geld, Geld interessiert mich schon lange nicht mehr. Ich sitze hier und habe alles – und habe nichts.“
Sein Arm wischte einen Bogen über sein ganzes Besitztum.
Nach einer langen Pause sagte er: „Ich habe es getan, weil ich es kann.“ Er trank einen kräftigen Schluck aus seinem Whiskyglas.
„Mir ist so langweilig. Haben Sie keine Idee für ein noch größeres Vorhaben? Irgendetwas mit einer wirklich bleibenden Wirkung?“
Miller ging wortlos. Er wollte nur noch weg.
Draußen schüttelte er den Kopf.
Was für eine Welt.

Krisenstab der US-Regierung im Luftraum der USA – am gleichen Tag, 16.00 Uhr, Kapitel 46, Teil II

Airforce Number One hatte gerade abgehoben.
Randle flog zum ersten Mal in der Präsidentenmaschine. Unter anderen Umständen wäre er sehr stolz gewesen. Doch jetzt hätte er viel dafür gegeben, wenn er nicht Berater des US-Krisenstabs geworden wäre.

„Sie wollen mir also sagen, ich sitze hier und lasse alle Regierungsgeschäfte liegen, weil wir keinen Notstand haben und keine Epidemie?“
„So einfach ist das nicht, Frau Präsidentin. Alle Voraussetzungen für einen Notstand sind gegeben. Die Kommunikation ist fast vollständig zusammengebrochen. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Von den ersten Schießereien und Plünderungen wird berichtet. Das Außenministerium kann sich vor Hilfsanfragen anderer Länder nicht retten. Wir haben keinerlei Hinweise, wer hinter diesem Anschlag steckt!“
Der Innenminister war sichtlich ins Schwitzen gekommen.

„Was raten Sie mir?“ Die Präsidentin wendete sich an Fred.
Fred Swinsteen war als erfahrener Krisenpsychologe langjähriges Mitglied des Krisenstabes.
„Es spielt keine Rolle, ob es eine Epidemie gibt oder nicht. Wichtig ist, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht. Die ersten Reaktionen zeigen eindeutig, dass massive Präsenz von Soldaten in den Großstädten zu weiteren Eskalationen führen würde. Wo Soldaten gesehen wurden, gingen die Menschen davon aus, dass sie erschossen werden und liefen weg. Als Folge beginnen viele, sich selbst zu bewaffnen.“
„Welcher Meinung ist das Militär?“
General Rensey antwortete entschieden: „Ich kann nur 30 % der Kräfte mobilisieren, welche uns normaler Weise in einem Notstand zur Verfügung stehen würden. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass es sich um eine Krise in über 100 Ländern handelt. Wenn die Chinesen, der Nahe Osten, die Inder – technische Analysen gehen davon aus, dass die Attacke in New Delhi begann – oder die Russen dahinter stecken, dann haben diese Länder die Möglichkeit, uns mit geringstem Widerstand zu übernehmen. Wir müssen unsere Truppen auf die Verteidigung der lebenserhaltenden Infrastruktur konzentrieren. Mehr können wir nicht leisten.“
„Na, die Herren scheinen sich ja ausnahmsweise einig zu sein.“

Um 18.00 Uhr hielt die Präsidentin eine Fernsehansprache an die Nation. Sie rief nicht den Notstand aus. Andererseits widersprach sie mit keinem Wort der Nachricht, dass ein Notstand wegen Vogelgrippe ausgerufen worden sei.
Jeder einzelne Satz der Rede war von der juristischen Regierungsabteilung mehrfach überarbeitet worden.

Nur Gebäude, welche für den Erhalt der Infrastruktur unbedingt nötig waren, wie Kraftwerke, Wasserwerke, militärische Anlagen und Verwaltungsgebäude wurden durch Militär und Polizei gesichert.

Die Krisenanalyse – Pentagon – zur gleichen Zeit, Kapitel 45, Teil II

Tony Randle hatte es im Blut, an diesem Tag lief etwas schief.
Es hatte schon morgens begonnen, als er die teure Weinflasche – reserviert für den heutigen Abend mit Sarah – aus Versehen vom Tisch gestoßen hatte.
Natürlich ärgerte ihn der Verlust der teuren Flasche. Er hatte eigentlich auch keine Zeit, die Schweinerei wegzumachen. Der Wein war auf den Teppichboden und unter die Schränke gelaufen.
Das bringt es voll, dachte er, Sarah das erste Mal bei mir zu Hause und bei mir stinkt es wie in einer Kneipe.
Obwohl er nur das Nötigste beseitigt hatte und aus Verzweiflung anschließend die ganze Wohnung mit seinem Deo einsprayte, kam er hoffnungslos zu spät zur Arbeit.

Überrascht sahen ihn seine Mitarbeiter an. Sie waren es einfach nicht gewöhnt, dass ihr Chef zu spät kam.
Noch immer gestresst, setze sich Randle an seinen Arbeitsplatz.
Irgend etwas störte ihn. Schon oft war es sein untrügerischer Instinkt gewesen, der ihn eindeutig von seinen Mitarbeitern abhob.
Er checkte seine E-Mails – nichts. Er sah sich den vom Chef vom Dienst ausgestellten Nachtbericht durch – keine Besonderheiten.
Er versuchte sich zu entspannen und lehnte sich zurück.
Sein Büro erreichte man über einige Stufen aus dem großen Analyseraum für Terrorbekämpfung. Er konnte von seinem Schreibtisch aus alle 50 Arbeitsplätze sehen.
Jeder Mitarbeiter dieser Abteilung sprach mehrere Sprachen und war für die Terroranalyse von bis zu 10 Ländern zuständig.
Jeder Arbeitsplatz hatte 2 Bildschirme. Auf dem rechten wurden im regelmäßigen Wechsel neu indizierte Internetseiten mit auffälligem Kriminalitätsrank angezeigt.
Der zweite Bildschirm zeigte die aktuell vom Mitarbeiter bearbeiteten Informationen an.
Nun wusste Randle, was ihn störte. Die Frequenz des Wechsels der neu indizierten Seiten war an verschiedenen Arbeitsplätzen unterschiedlich.
Eine Verlangsamung des Wechsels war eigentlich technisch nicht möglich. Die Frequenz war auf das menschliche Auffassungsvermögen ausgerichtet und sollte zusätzlich zu den vom Rechner vorgeschlagenen Prioritäten einen Gesamteindruck der Lage vermitteln.
Der einzige Grund, warum sich die Anzeigefrequenz verringern konnte war,..
Doch das war unmöglich. Das hieße ja, es kämen weniger Dokumente rein, als angezeigt werden konnten.
Ehe er sich intensiver mit dem Problem beschäftigen konnte, kam ein wild mit einem Zettel gestikulierender Mitarbeiter auf sein Büro zu.
Der Frischling hatte gerade erst bei der Terrorismusbekämpfung angefangen.
Randle hatte seinen Namen nicht behalten.
Ohne zu klopfen, stürmte er in Randles Büro: „Vogelgrippe, 100 % Sterblichkeit.“
„Na, Na.“ Randle war sauer: „Haben Sie in Ihrer Ausbildung nichts gelernt. Es gibt keinen Krisenfall, der eine solche Aufregung rechtfertigt. Bitte werden sie wieder ruhig, konzentrieren Sie sich und überlegen genau, was Sie mir sagen wollen.“
Ehe der Frischling antworten konnte, klingelte das Telefon. „Randle“ und gleich darauf mit deutlich veränderter Stimme „Ja, Herr Direktor, wir sind informiert“. Herrisch riss er dem Frischling den Zettel aus der Hand.
„Nein, Herr Direktor, es liegen noch keine verifizierten Daten vor, wir arbeiten auf Hochtouren.“
„Nein, Herr Direktor, ich sage doch, es gibt noch keine persönliche Bestätigung von einem unserer Informanten, dass die Vogelgrippe ausgebrochen ist.“
„Sie hatten bereits einen Anruf aus London? Dann handelt es sich also um ein internationales Problem?“
„Bitte haben Sie Verständnis, ich habe einfach zu wenige Informationen, um Ihnen sagen zu können, wann eine halbwegs brauchbare Analyse möglich ist.“
Der Direktor hatte kein Verständnis. Er musste ohne Hintergrundinformationen entscheiden, ob er die Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika belästigen sollte oder nicht.

Randle checkte kurz seine E-Mails. Ja, er hatte auch eine bekommen. Er sprang auf und rannte ins Großraumbüro.
„Alle lassen alles liegen und hören mir zu! Wir stecken anscheinend in der immer befürchteten großen Virenattacke. Man erwartet von uns, so schnell wie möglich Antworten.
Gibt es einen terroristischen Hintergrund? Es gibt erste Anzeichen für einen internationalen Anschlag. Womöglich schon in einer Stunde ruft die Präsidentin persönlich an, dann brauche ich Antworten. Noch Fragen?“
Mike Condor – für den Bereich Naher Osten zuständig – fragte: „Weiß man, ob das Virus über einen Trojaner eingeschleust wurde?“
„Ich rede von Vogelgrippe, passen Sie doch auf“, antwortete Randle absolut wütend auf sich selbst. So ein Anfängerfehler hätte ihm nicht unterlaufen dürfen. Schließlich war das erste, was ein Agent lernte, sich klar auszudrücken. Weitere Fehler durften sie sich einfach nicht leisten.

Randle ging zurück in sein Büro und versuchte ruhig zu werden. Wieder fiel sein Blick auf die Bildschirme seiner Mitarbeiter. An einigen Arbeitsplätzen wechselten die Seiten in der gewohnten Frequenz. Andere Monitore zeigten einen immer langsamer werdenden Wechsel. Manche wechselten gar nicht mehr.
Was bedeutete das? Nur zwei Mitarbeiter waren für den Bereich USA zuständig. Diese Bildschirme zeigten bereits seit mehreren Minuten keinen Wechsel mehr an.
Das konnte nur bedeuten, die Suchmaschinen im Bereich USA indizierten keine Seiten mehr, oder – er wusste nicht was schlimmer war – die einzelnen Seiten wurden von den Suchmaschinen nicht mehr erreicht.
Das Pentagon verfügte über ein redundantes eigenes Netzwerk. Die wesentlichen Backbones der Welt konnten mit Vorrang vor anderen Anfragen adressiert werden. Außerdem gab es ein eigenes Kommunikationsnetzwerk zu den militärischen Kommandostellen.

Randle rief die Gruppenleiter zu sich und teilte die Aufgaben auf:
„Tim, sehen Sie den unterschiedlich schnellen Wechsel der Arbeitsplatzbildschirme? Ich möchte wissen, warum die Frequenz unterschiedlich ist und ob es ein Muster gibt, welches die Unterschiede erklärt.“
Tim verstand erst nicht, sah aus dem Fenster von Randle alle Rechner im Überblick. Dann nickte er.
„Sven, Sie überprüfen, wer den Befehl zum Notstand gegeben hat. Nicht per E-Mail! Ich möchte, dass Sie möglichst persönlich mit dem Verteidigungsminister sprechen. Warum kommt eine solche Anweisung offen über das Internet und nicht über unser VPN.“
„Oliver, Sie analysieren, wie die Lage draußen ist. Wie viele Einlieferungen haben die Krankenhäuser? Wie ist die Sterblichkeit? Ist wirklich eine Übertragung über die Luft möglich?“
„Frank sie analysieren das regionale Ausmaß der Epidemie. Sind alle Regionen der USA betroffen? Welche weiteren Länder sind betroffen?“
Dann zu allen: „Um 13.00 Uhr wieder in meinem Büro und zwar mit umfassenden Ergebnissen.“
Es war bereits 11.30 Uhr. Er wusste, einen umfassenden Bericht würde er bis 13.00 Uhr nicht erwarten können.
Irgend etwas sagte ihm jedoch, dass die Präsidentin ihn nicht länger in Ruhe lassen würde.

Um 13.00 Uhr hatten alle ihr Bestes getan. Fest stand:
· Alle englischsprachigen Länder waren betroffen,
· die skandinavischen Länder, die Länder, in denen französisch und deutsch gesprochen wird, nicht.

„Das klingt nach einem Ausschalten der Konkurrenz durch FINDERS“, Tim war ohne anzuklopfen eingetreten.
„Sagen Sie so etwas auf keinen Fall laut. Was denken Sie, was eine solche Aussage an internationalen Verwicklungen auslösen würde? So was hat schon Kriege ausgelöst!“
· Der Befehl für den Notstand kam weder vom Direktor des Heimatschutzes, noch vom Innenminister. Das war schnell geklärt. Fast alle Mitarbeiter, welche im Internet mit E-Mail-Adresse eingetragen waren oder in einem öffentlichen Firmenverzeichnis, hatten die gleiche E-Mail erhalten.
· Die Lageberichte aus den einzelnen Städten in den USA glichen sich. Das Chaos war auf den Straßen ausgebrochen. Zahlreiche Unfälle hatten ein Durchkommen auf den meisten Straßen unmöglich gemacht.
Die meisten Radiosender hatten sich kurz bei Kollegen rückversichert. Als diese die Meldung bestätigten und anschließend die Telefonleitungen zusammenbrachen, wurde in fast allen Radiosendern die E-Mail über den Ausnahmezustand vorgelesen.
· Die meisten Menschen hatten ihr Auto einfach mitten auf der Straße stehen gelassen und waren zu dem nächsten für sie erreichbaren Computer gerannt. Tatsächlich schien Human International als Einziger bestens informiert zu sein und an allen wichtigen Flughäfen mit speziell gesicherten Fahrzeugen Medikamente zu verkaufen. Zumindest von 5 Flughäfen lag eine Bestätigung vor, dass hier Medikamente verkauft wurden.
· Die Krankenhäuser meldeten alle extrem viele Neuzugänge.

„Oliver, haben Sie herausgefunden, wie viele an Vogelkrippe erkrankt sind?“
„Wollen Sie wirklich, dass ich gezielt nach Vogelgrippefällen frage? Dann bricht doch schnell eine Panik aus. So etwas ist Aufgabe der Weltgesundheitsorganisation.“
Dieser Oliver konnte einen zur Weißglut treiben mit seinen Vorschriften. Allerdings war Randle nicht lebensmüde, diese Entscheidung auf seine Kappe zu nehmen. Oliver würde im Zweifel mit seinem Vermerk über seinen Widerspruch Karriere machen und Randle könnte zukünftig in Alaska Parkbänke beaufsichtigen.
„Also gut, halten sie den Dienstweg ein. Klären Sie die Zuständigkeiten. Aber mit höchster Priorität!“
Inzwischen zeichnete sich eine Katastrophe globalen Ausmaßes ab. Über 50 Länder hatten schon das auswärtige Amt um Hilfe gebeten.
Es gab einfach kein einheitliches Bild. Er konnte unmöglich diese Ereignisse weitergeben. Immerhin würden auf Grundlage seiner Analyse weitreichende Entscheidungen gefällt.

Das Telefon klingelte: „Herr Randle, ich verbinde zur Präsidentin.“
Nicht einmal 2 Minuten später war die Präsidentin am Apparat: „Einen kurzen Lagebericht bitte.“
Randle fasste die Ereignisse kurz zusammen und argumentierte vorsichtig: „Ich kann noch keine endgültige Aussage treffen. Es ergibt sich ein absolut widersprüchliches Bild. Frau Präsidentin, ich kann noch nicht einmal sagen, wann wir den Überblick haben. Wir haben keinerlei Informationen über die üblichen Quellen wie Gesundheitsamt, Weltgesundheitsorganisation, Seuchenbekämpfung, etc. vorliegen. Nur jede Menge Anfragen zur Echtheit des E-Mails! Wenn Sie innerhalb kürzester Zeit zum Ausmaß der Vogelgrippe etwas wissen wollen, müssen wir mit den Krankenhäusern offen über eine Epidemie sprechen.“
„Und damit eine Panik auslösen?“
„Genau das ist das Risiko.“
„So weit ich derzeit die Lage einschätzen kann, ist diese Panik doch längst ausgebrochen.“
„Ja, aber wir bestätigen durch die Anfrage indirekt die Meldungen über den Ausbruch der Vogelgrippe.“
„Ich melde mich wieder.“

Randle fand, das Gespräch war gar nicht so schlecht gelaufen. Schließlich hatte er sich nach den Anweisungen der Katastrophenpläne verhalten.
Bei fast allen bekannten Katastrophen waren die Schäden an Menschen und Material durch Panikreaktionen weitaus größer, als durch die eigentliche Katastrophe.

Außerdem, keine Entscheidung war in diesem Fall für seine Karriere definitiv besser als eine falsche Entscheidung.

Der Auslöser – New Delhi – gleichzeitig, Kapitel 44, Teil II

In der verzweigten Altstadt von New Delhi gab es einen ganz besonderen Keller. Vor 50 Jahren hatte sich ein betuchter Inder in seinem Haus einen Atom-Schutzraum einrichten lassen.

Smith wurde das Objekt von den Erben des Inders über einen Makler angeboten. Während sich das Haus in einem absolut baufälligen Zustand befand, war der Schutzraum mit zwei Stromgeneratoren und Dieseltanks in ausreichender Größe, um die Generatoren mehrere Monate betreiben zu können, für Smiths Zwecke perfekt geeignet. Besonders gut fand Smith, dass der Kellerraum sich nur wenige hundert Meter vom indischen Hauptinternetknotenpunkt entfernt befand und eine Direktanbindung möglich war.
2008 kaufte er das Haus.
Insgesamt fand er über 1000 Plätze in englischsprachigen Ländern, um entweder eigene Server aufstellen zu können, oder Serverplatz zu mieten, meist mit unmittelbarer Anbindung an einen Internetknotenpunkt.

Niemand störte sich an einer solchen Anzahl von Servern. Human International Ltd. galt als gemeinnütziges Projekt und stellte inzwischen über 500.000 Premiumnutzern (insbesondere Ärzten und Gesundheitsorganisationen) aus aller Welt umfangreiche Statistiken zu der weltweiten Entwicklung von Krankheiten zur Verfügung.
Im Gegenzug stellten die Premiumnutzer nicht selbst genutzte Rechenleistung auf ihren Rechnern Human International zur Verfügung. So konnte Human International Ltd. auf eine aus 500.000 zusammengestellten Einzelrechnern basierende ungeheure Rechenleistung zurückgreifen.
Dieses Verfahren war nicht neu. Er war bereits in den 90er Jahren z.B. von seti für die Suche von extraterrestrischem Leben eingesetzt worden.
Niemals hätte sich der medizinische Redakteur auf Dhunikolhu vorstellen können, welche Reaktion er durch den Abruf der Notstandsinformation auslöste.
Im Hauptrechner in New Delhi wartete ein im Mailserver eingerichteter kleiner digitaler Agent auf den ersten Abruf der Epidemiemeldung. Bei einer Gruppe von nur 200 Personen auf einer so kleinen Insel reichte ein Abruf aus, um alle zu informieren.

Dieser Abruf löste eine Vielzahl von Aktionen auf dem Hauptrechner aus:
· Innerhalb von Sekunden wurden alle Kommunikationsverbindungen zu Dhunikolhu gekappt.
· Ein spezielles Regionalisierungsprogramm wurde auf die weltweit verstreuten 1000 Server von Human International Ltd. geladen.
· Die vorhandenen Homepages wurden durch eine für den Ausnahmezustand vorbereitete Version automatisch ersetzt.
· Das auf den einzelnen Servern installierte Regionalisierungsprogramm analysierte jede eingehende IP-Adresse auf ihre Herkunft und stellte dem Anfragenden eine automatisch generierte Seite mit passenden Informationen zu Verfügung. In New York wurde ein Schreiben des Heimatschutzdirektor angezeigt, in London des Secret Intelligence Service. Die Vogelgrippe war hiernach jeweils in der der IP-Adresse zugeordneten Region ausgebrochen.
· In den 500.000 weltweit verstreuten Rechnern wurde automatisch das Statistikprogramm durch ein Spamprogramm ersetzt. Jeder Rechner informierte 500 zu seiner Region gehörige Regierungsstellen, Verwaltungen, Sicherheitskräfte, Krankenhäuser etc. mit gefälschtem Absender der jeweils zuständigen Terrorbekämpfungsstelle über den angeblichen Ausnahmezustand, wobei alle aus digitalen Telefonbüchern übernommene Adressen wie Fax, E-Mail, SMS oder MMS (mit einem vorbereiteten Warnbild) benutzt wurden.
· Gleichzeitig wurde ein weiterer Kommunikationsserver aktiviert, der alle relevanten Behörden-E-Mail-Adressen sogenannten Blacklists als Spammer meldete.
Diesen Blacklists konnte jeder mitteilen, wenn eine bestimmte IP-Adresse Spam versendete. Ob und wie schnell die Blacklist diese Information verarbeiteten, hing von einem hierarchisch aufgebauten Autorisierungssystem ab. Normale User hatten niedrigere kleinere Priorität als Firmen. Bei der offiziellen Internetorganisation eingetragene Provider wurden bevorzugt behandelt.
Die höchste Priorität hatte die Autorisierung des Militärs der Regierungen. Immerhin war das Internet ursprünglich als Kommunikationssystem für das Militär entwickelt worden.
Der Kommunikationsserver benutzte den offiziellen Schlüssel des Militärs der USA. Bei dieser höchsten Priorität überprüften die Blacklists nicht mehr auf Plausibilität.
Der aktivierte Kommunikationsserver gab mit seinem Schlüssel der höchsten Priorität den hundert wichtigsten Blacklists weltweit die Anweisung, E-Mails von Behörden IP-Adressen als unwichtigen Spam einzustufen.
Mit diesen Blacklists glichen sich automatisch weitere Tausende von Blacklists überall in der Welt automatisch ab.
Fast jede Behörden-E-Mail wurde von den hinter den Netzwerkknoten zentral eingebauten Blacklists gefiltert und erst einmal abgelegt, um zuerst E-Mails mit höherer Priorität zu bearbeiten.
So bekamen viele Behörden erst nach Tagen die Information, dass ihre E-Mail den Empfänger nicht erreicht hatten. Andere erhielten noch nicht einmal diese Fehlermeldung, da das Netz inzwischen weitgehend wegen Überlastung zusammengebrochen war.

Der Traumjob – Malediven am gleichen Tag, Kapitel 43, Teil II

Es war wirklich nicht zu verachten, hier zu leben.
Mary war immer reiselustig gewesen. Als sie über die Anzeige der Human International Ltd. stolperte, fühlte sie sich sofort angesprochen.
„Sie sind medizinisch vorgebildet und wollen als Redakteur im weltweit führenden Gesundheitsportal für Epidemien mitwirken?
Wir garantieren ihnen einen exklusiven Arbeitsplatz mitten im Urlaubsparadies der Malediven und ein überdurchschnittliches Gehalt.“

Es machte wirklich Spaß, hier zu arbeiten. Sie betreute Portale in 50 Ländern und war hauptsächlich damit beschäftigt, Nachrichten von freiwilligen Helfern aus aller Welt zu bearbeiten und diese dann auf das Wesentliche reduziert als eigene Nachricht zu veröffentlichen. Natürlich waren sie auch an alle englischsprachigen Nachrichtenagenturen angeschlossen. Oft jedoch waren in letzter Zeit die Informationen ihrer Informanten besser als die der Nachrichtenagenturen.
Das Arbeiten auf Dhunikolhu machte richtig Spaß. Irgendwie befanden sich alle in permanenter Urlaubsstimmung. Inzwischen hatte man aufgegeben, zu fragen, wie Human International sich finanzierte. Man erfüllte die Vorgabe, das meist besuchte Portal zum Thema Epidemien im englischsprachigen Raum zu werden und Geld schien immer genug da zu sein.

An diesem Morgen saß sie mit 8 anderen Mitarbeiter in dem nach allen Seiten offenen Frühstücksraum.
Gerade lachten alle über einen schlechten Witz.
Mary sah auf und traute ihren Augen nicht. Auf dem Meer kam ein mit einem Maschinengewehr bestücktes Schnellboot mit dem Logo von Human International hinter den Stelzenbungalows hervor.
Fast gleichzeitig kam ein junger Arzt, den sie noch nicht kannte, aufgeregt mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck angerannt.
„Wir stehen unter Quarantäne“, rief er schon von Weitem.
„Was ist?“ Die anderen hatten das Schnellboot nicht gesehen und lachten unbeschwert. Dann lasen Sie:

Liebe Mitarbeiter von Human International,

es wurde auf Dhunikolhu ein Affe mit einem gefährlichen Virus gefunden.
In Absprache mit der Weltgesundheitsorganisation und der Maledivischen Regierung nehmen wir dieses Problem selbst in die Hand.

Wir müssen Ihnen mitteilen, dass Sie für 2 Wochen unter Quarantäne stehen. Nach Aussage der von uns befragten Spezialisten ist es wahrscheinlich, dass wir den Affen noch rechtzeitig isoliert haben. Trotzdem ist äußerste Vorsicht geboten. Auf Anweisung der Weltgesundheitsorganisation wurden alle Kommunikationsmöglichkeiten von und zur Insel abgeschaltet.

Bitte versuchen Sie in den zwei Wochen – natürlich von uns bezahlten – zusätzlichen Urlaub zu machen.
Schließlich befinden Sie sich an einem der schönsten Plätze der Welt.
Human International sieht immer die Menschen an erster Stelle, so akzeptieren wir diese Maßnahmen, auch wenn unsere Internetpublikationen durch diesen Vorfall einen erheblichen Schaden erleiden werden.

Mit freundlichen Grüßen

John Smith, Vorstandsvorsitzender

Wahr oder nicht wahr? – Mannheim, Rheinhafen – Am gleichen Tag, Kapitel 42, Teil II

Wie üblich saß ich abends um 17.00 Uhr mit Brigitte zur Übergabe zusammen. Die warme Sommersonne schien durch die Fenster unseres Frachtschiffs.
Brigitte sagte: „Ich bin irgendwie unruhig, ich habe gestern nacht schlecht geträumt.“
Sie ließ ihren noch heißen Kaffee stehen und ging ins Büro um die neuesten R-Faxe zu checken.
„Ole, kommst Du mal?“
Ich kannte ihre Stimme gut und wusste, sie hatte in ihren Nachrichten etwas gefunden, was ihre schlechten Träume bestätigte.
„Isabella hat eine komische Nachricht geschickt.“
„Notstand, Vogelgrippe 100% Sterblichkeit, Übertragung durch die Luft, bitte bestätigen!“
Was sollte das. Isabella war mit uns befreundet, aber solche Scherze traute ich ihr nicht zu. Sie war ein sehr ernsthafter Mensch. Ich setzte mich an den anderen Rechner.
„Versuch Du, Isabella zu erreichen, ich recherchiere, was eigentlich los ist.“

Ich rief meinen Browser auf, die Seite www.finders.de war standardmäßig voreingestellt. Zum Suchbegriff „Vogelgrippe“ kam die Kategorie Epidemien mit 50 Ergebnissen, die 10 mit heutigem Datum nach Regionen geordnet zuerst.

Das FINDERS-Konsortium hatte WWW eine neue Bedeutung gegeben.
Alle Unternehmen, Agenturen, Comunitymanager, Semantikmanager welche mit FINDERS zusammenarbeiteten, mussten eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich den Grundsätzen „W wie Wer?, W wie Wert? ,W wie Wahr? „ verpflichteten.
Ist der Angezeigte, der, der er vorgibt zu sein?
Welchen Wert hat ein Angebot für den Suchenden?
Sind die Angaben wahr?

Zertifizierung für die Kategorie
„Endkunden kaufen Schuhe“
als Kategorienagentur

Durch die unabhängige WWW-F Zertifizierungsstelle wird ständig die Einhaltung folgender Kriterien geprüft:

· Wer?
Ist der Anbieter der, den der Suchende erwartet?
Möchte der Anbieter gefunden werden?
· Wahr?
Entspricht die Information den Erwartungen des Suchenden?
· Wert?
Wird bewertet, welchen Wert eine Information für den Suchenden hat?

Geprüft 1.1.2010
Zertifizierungsstelle
FINDERS-Konsortium
Friedrichshafen

Hierdurch gelang es FINDERS, trotz des rasanten Vormarschs von Gooday, die Marktanteile von über 50% in den Ländern mit deutscher, französischer Sprache, sowie in den skandinavischen Ländern und Japan zu halten.
Die Ergebnisanzeige von Informationskategorien war anders aufgebaut, als die Anzeige von Produktkategorien. Während bei Produktkategorien Hersteller und Händler gelistet waren, konnten sich je Informationskategorie maximal 50 Redaktionen bei FINDERS akkreditieren. Die Auflagen waren hart, aber es lohnte sich. Jede Meldung musste durch eine Person vor Ort mit Achtcard bestätigt werden, damit diese veröffentlicht werden durfte. In der Ergebnisanzeige gab es keine Werbung.
Trotzdem war eine Akkreditierung äußerst lukrativ, da man bei jedem Wort der redaktionellen Texte durch einen Rechtsklick eine zu diesem Wort passende Produkt-Kategorie angezeigt bekam. Durch die aus den Produktkategorien generierten Umsätze finanzierten sich die Redaktionen.

Ich klickte alle Seiten durch, fand jedoch keine außergewöhnlichen Ergebnisse.
In Deutschland wurde die Tagesliste der Geflügelfarmen angezeigt, welche zum Sperrgebiet erklärt waren (Der Jahreszeit entsprechend waren es nur 5 Farmen in ganz Deutschland).
Durch die sich häufenden Fälle war Massentierhaltung verboten worden. Maximal 1000 Tiere, auf mindestens 10 Gebäude aufgeteilt, durften gehalten werden.
Auch für die anderen Länder waren die Meldungen eher normal. Schließungen von Farmen waren hier keine Meldung mehr wert. Die Sterblichkeit der Menschen lag inzwischen insbesondere in den armen Ländern ähnlich hoch wie bei Aids, da man bei privater Tierhaltung einfach keine absoluten Isolationsbedingungen und permanente Veterinärkontrollen aufrechterhalten konnte.
Besondere internationale Meldungen wie 100 % Sterblichkeit oder Übertragung durch die Luft gab es nicht. Aus den USA gab es nicht eine einzige neue Meldung.
Ich setze mir zur Kategorie Epidemien einen Alarm für neue Meldungen auf mein Handy.
Seltsam, dachte ich, ist Isabella doch durchgedreht? „Hast Du Isabella erreicht?“
Brigitte schüttelte entgeistert den Kopf. Ich habe Handy, Festnetz, R-Fax, Fax, E-Mail mit Lesebestätigung versucht. Nirgends bin ich durchgekommen.
„Okay, dann ist es ernst. Schicke das R-Fax von Isabella mit allen Sendeberichten an den Kategorienmanager für ,Epidemien’!“
Alles andere war für mich jetzt unwichtig. In der Kategorie Epidemien klickte ich jetzt auf Blog.
Tatsächlich fand ich einige ähnlich verstümmelte Meldungen wie von Isabella aus dem Ausland. Die ersten deutschen Kommentare taten diese Meldungen als Spinnerei ab. Ein Kommentator hatte eine passende Ausnahmezustandsmeldung im Internet gefunden und war so geistesgegenwärtig, den gesamten Text in den Kommentar zu kopieren.
Ich klickte die Quelle an und erhielt eine „Diese Website kann nicht angezeigt werden“ auf meinem Browser.
Anschließend begann ich in den USA verschiedene Seiten aufzurufen. Immer wieder kam der gleiche Fehler. Ich rief die Seite der US-Regierung auf, wieder keine Anzeige.
Anschließend rief ich die Seite der französischen Kategorienagentur für Schuhe ohne Probleme auf.
Seltsam, es waren fast 2 Stunden vergangen, warum hat der Kategorienmanager von „Epidemien“ noch nicht geantwortet.
R-Faxe von Kategorienmanagern wurden immer mit Vorrang angezeigt. Es gab ein ungeschriebenes Gesetz zwischen Kategorienmanagern, dass man sich nur anschrieb, wenn es wichtig war, dann aber sofort reagierte. Ich rief den Kollegen innerhalb der nächsten Stunde immer wieder an. Jedes mal kam sofort das Besetztzeichen. Trotzdem war dieses Zeichen für mich beruhigend, denn bei Isabella getätigte Anrufe wurden nicht einmal mehr mit einem Zeichen quittiert.
Da schrie Brigitte erneut aus. „Guck mal.“ Schnell war ich bei ihrem Schreibtisch. Sie hatte ihre R-Faxe angeschaut. „Neueingang 20.000“, stand hier. Von da an mussten sich Brigitte und ich wieder auf unsere eigene Arbeit konzentrieren und Standardmails entwickeln, um den Kunden zu erklären, warum die Hersteller aus dem englischsprachigen Raum nicht mehr online waren.

Wenig später fiepte Brigittes Handy, einmal, dann immer wieder.
Normalerweise hätte Brigitte auch auf das Signal „Neue SMS eingetroffen“, reagiert.
Schließlich war es schon fast eine Besonderheit, wenn sie eine nicht autorisierte SMS erhielt. Wäre die SMS durch die Achtcard autorisiert gewesen, so wäre sie nicht auf dem Handy von Brigitte als SMS angekommen, sondern da wo derzeit die Achtcard von Brigitte eingesteckt war als R-Fax – im PC eben.
Als Semantikmanagerin hätte Shaona eine hohe Priorisierung gehabt.
Brigitte hätte sich trotz der 20.000 weiteren R-Faxen direkt um Shaona gekümmert.

So stand Brigitte nur nach einer Stunde auf, um das ständige Gefiepe abzustellen. 500 SMS waren inzwischen von verschiedensten Absendern eingetroffen.
„Alles Spam, wer soll dem denn glauben?“, murmelte Brigitte und stellte den Klingelton leise.